Der Fall Pohlmann kommt zu den Akten - Birthler-Behörde hat SPD-Abgeordneten zu Unrecht belastet

Der Fall Pohlmann hatte für Aufsehen gesorgt: Radio Bremen hatte aus Stasi-Unterlagen zitiert, in denen der Name Pohlmann auftaucht, und die Frage aufgeworfen, ob der Bremer Bürgerschaftsabgeordnete zu einer streng geheimen Eliteeinheit der DKP gehörte, die im Osten ausgebildet wurde, um im Westen Sabotageakte zu verüben. Dabei bezogen sich die Autoren auf die Stasi-Unterlagen und auf Einschätzungen der Birthler-Behörde. Beides konnte offenbar vor Gericht einer genaueren Betrachtung nicht standhalten.

Pohlmann wurde Ende Oktober von den Vorwürfen kalt erwischt. Sie beruhten im Wesentlichen auf Indizien: Der Sender brachte DDR-Reisen des damals hohen Bremer DKP-Funktionärs zeitlich in einen Zusammenhang zu Übungen der Partisanengruppe und fand auch andere Hinweise auf mögliche Zusammenhänge. Einen konkreten Beweis, dass Pohlmann Mitglied der Partisaneneinheit 'Gruppe Ralf Forster' war, blieben Sender und Behörde jedoch schuldig.

Schwierige Verteidigung

Der Fall hatte in Bremen für reichlich Wirbel gesorgt, und schon frühzeitig wurde in Politikerkreisen eine Frage diskutiert: Wie soll sich Pohlmann gegen den Vorwurf wehren, Mitglied einer Gruppe gewesen zu sein, die so streng geheim war, dass es keine schriftlichen Aufzeichnungen über sie gab, sondern nur ein paar Querverweise aus anderen Akten?

Der Politiker bestritt die Vorwürfe von Beginn an. Er legte eine eidesstattliche Versicherung ab und bekam schließlich Unterstützung vom 'Spiegel'. Das Nachrichtenmagazin zitierte einen früheren Instrukteur der 'Gruppe Ralf Forster', der Pohlmann entlastete. Er habe den Bremer 'aus eigener Kenntnis nicht mit der Gruppe in Verbindung bringen' können. Und auch auf Fotos habe der Instrukteur den SPD-Politiker nicht wiedererkannt. Und doch schienen Pohlmann bei seiner weiteren Verteidigung die Hände gebunden, da die Birthler-Behörde ihn als sogenannten 'Begünstigten' im Sinne des Stasi-Unterlagengesetzes einstufte. Folge ist, dass Pohlmann nicht alle Akten mit dem angeblich belastenden Material zur Verfügung gestellt worden sind.

Der Politiker holte sich schließlich mit Johannes Eisenberg einen Juristen an seine Seite, der bereits in ähnlichen Fällen erfolgreich war. Sie verklagten die Birthler-Behörde und erwirkten eine einstweilige Verfügung gegen Radio Bremen. Der Sender sah darin einen Angriff auf die Pressefreiheit und legte Rechtsmittel ein, doch ohne Erfolg. Das Landgericht Berlin untersagte Radio Bremen Ende Januar, die Vorwürfe gegen Pohlmann zu wiederholen. 'Bei der ausgesprochen dünnen Verdachtslage hätte Radio Bremen davon absehen müssen, Jürgen Pohlmann öffentlich mit der Gruppe Ralf Forster in Verbindung zu bringen', urteilten die Richter. Jetzt hat Pohlmann vor dem Verwaltungsgericht einen zweiten Erfolg erreicht.

In dem laufenden Verwaltungsgerichtsprozess hat die Stasi-Unterlagenbehörde nach Angaben von Pohlmanns Anwalt Eisenberg erklärt, es künftig zu unterlassen, 'personenbezogene Daten über den Bremer Politiker zugänglich zu machen'. Ferner werde die Birthler-Behörde Radio Bremen mitteilen, dass die bisherigen Auskünfte 'rechtswidrig erteilt' wurden, und sie wird dem Sender eine Gegendarstellung Pohlmanns übermitteln, heißt es in einer Mitteilung des Juristen.

Pohlmann selbst wertet die Unterlassungserklärung der Birthler-Behörde als Schuldeingeständnis. ' Ich freue mich über den Verlauf des Prozesses und glaube, dass damit jetzt auch eine Grundsatzentscheidung vorliegt, auf die sich andere berufen können, denen Ähnliches wiederfährt wie mir.'

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Paramilitärische Gladio-Einheiten auch im Osten in den Terrorismus involviert

Bei allem was zwischen Italien und Deutschland unterschiedlich sein mag, ähnlich war ganz sicher auch, dass Moskautreue in der BRD d.h. DKP- und SEW-Genossen bereit waren, die neue verdeckte Linie der Destabilisierung über die Förderung terroristischer Anschläge zu unterstützen. Der eigenständige, dritte Weg des Eurokommunismus fand bekanntermaßen bei ihnen keine Sympathien. Von der konspirativen westdeutschen Ralf Forster-Gruppe, der DKP-Militärorganisation, sind ca. 200 Personen in der DDR am Springsee nahe Frankfurt/Oder paramilitärisch ausgebildet worden. Auch sie weist alle Merkmale einer Gladio-ähnlichen Truppe auf.

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Offene Worte von Markus Wolf ...

Und natürlich sagt Markus Wolf hier nicht, dass auch Kämpfer aus der Bundesrepublik in der DDR oder in befreundeten Nahost-Ländern wie z.B. im Jemen durch geschulte Stasi- oder vereinzelt auch KGB-Funktionäre für den so genannten Partisanenkampf paramilitärisch ausgebildet wurden. Denn die Ausbilder könnten möglicherweise ausfindig gemacht und angeklagt werden. Das Delikt "Unterstützung des Terrorismus" unterliegt keiner Verjährung. Der Spionagechef will schließlich nicht zum Verräter seiner eigenen Mitarbeiter werden und schweigt im Konkreten.

Interessante Informationen über den Terrorismus zu Zeiten des Kalten Krieges

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Fragen an das MfS: Auskünfte über eine Behörde (Buchneuerscheinung)

Kurzbeschreibung

60 Jahre nach Gründung des MfS am 8. Februar 1950 scheint alles gesagt, geschrieben, gedruckt und gesendet. Es gibt keine Geheimnisse mehr. Aber ist bei den Jüngeren wirklich mehr bekannt als jene Grusel- und Schauermärchen, die seit 1990 absichtsvoll verbreitet werden? Und lassen sich diese Klischees nicht durch sachliche Informationen ersetzen? Verantwortliche Mitarbeiter des MfS kommen der Forderung nach, die in der Öffentlichkeit immer wieder an sie gestellt wird: Sie informieren ausführlich, detailliert und selbstkritisch über ihre Arbeit, über Geschichte, Strukturen, Tätigkeit und Methoden des Ministeriums.

Über den Autor

Werner Großmann, geboren 1930, trat 1952 dem MfS bei. Seitdem in der Auslandsaufklärung Stellvertreter von Markus Wolf und von 1986 bis 1989 Chef der Hauptverwaltung Aufklärung. Wolfgang Schwanitz, geboren 1930, trat 1951 dem MfS bei, von 1974 bis 1986 Leiter er die Bezirksverwaltung Berlin des MfS, danach bis zum Herbst 1989 stellvertretender Minister. Unter Modrow Leiter des Amtes für Nationale Sicherheit.

Ich bin gespannt

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Nordkorea als Unterstützer deutscher Terroristen?

Ein bislang im Zusammenhang mit dem deutschen Linksterrorismus noch nie genanntes Land hat offensichtlich eine wesentliche Rolle bei der internationalen Unterstützung der RAF gespielt. Wie aus jetzt freigegeben Unterlagen ersichtlich ist, handelte es sich dabei um Nordkorea. Bereits in ihrer Frühphase hatte die Rote Armee Fraktion Kontakt zu der kommunistischen Diktatur gesucht.

Dieser "Schurkenstaat" fehlte im Zusamenhang mit dem Thema "Terrorismus in Deutschland" bisher noch. Dass Militärkader aus der KVDR auf Rügen ausgebildet wurden, ist dagegen schon lange bekannt. In "Aktion Störtebeker" wird geschildert, wie die nordkoreanische Nahkampftechnik Gjogsul über Umwege in die DDR kam und bei den diversen Sondereinsatzkräften gelehrt wurde.

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Terroristen im Jemen - Ein Dörfchen namens al-Qaida

Der Weg in den bewaffneten Kampf führt über den Jemen: Dort lassen sich seit Jahrzehnten deutsche Terroristen ausbilden - einst die RAF, heute junge Islamisten.

Eine etwas wilde Geschichte. Aber vor dem Hintergrund, dass die USA Luftangriffe auf den Jemen vorbereiten und offensichtlich einen dritten Krieg vom Zaun brechen wollen, recht interessant. Wie in "Aktion Störtebeker" erwähnt, wurden an der NVA-Hochschule in Prora auf Rügen sowohl Offiziere aus dem prowestlichen Nordjemen (gegen Devisen) und aus dem sozialistischen Südjemen (als Bruderhilfe) ausgebildet. Wo die heute stehen? Die Geschichte ist schon verrückt.

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Ostseepiraterie oder Waffenschmuggel?

Ostseepiraterie oder Waffenschmuggel?

Jens Berger 17.09.2009

Der seltsame Fall der Arctic Sea beschäftigt nicht nur die Geheimdienste. Hatte das Schiff Flugabwehrraketen für den Iran an Bord?

"Gottes Freunde, aller Welt Feinde" – unter dieser Losung verunsicherten die Vitalienbrüder einst von ihrer Operationsbasis Gotland aus die christliche Seefahrt in der Ostsee. 1398 vertrieben die Deutschritter die Freibeuter von Gotland und seitdem herrschte vor der Insel Ruhe – zumindest bis zum 24. Juli 2009. An diesem Tag sollen acht bewaffnete Ostseepiraten von einem Schlauchboot aus den Holzfrachter Arctic Sea geentert haben. Piraterie direkt vor der schwedischen Küste, einem lückenlos überwachten und dicht befahrenen Seegebiet?

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Vollends mysteriös wird die "Kaperfahrt" der Arctic Sea jedoch erst nach dem mutmaßlichen Piratenüberfall. Das Schiff fährt seelenruhig durch Kattegat und Skagerrak in den Ärmelkanal und verschwindet dann wie von Geisterhand von den Radarschirmen. Russland alarmiert seine Marine und seine Geheimdienste und drei Wochen später wird die Arctic Sea von einem Prisenkommando der russischen Marine aufgebracht. Russische Behörden versprechen bereits am nächsten Tag eine transparente und lückenlose Aufklärung, tun aber alles in ihrer Macht stehende, um eine öffentliche Aufklärung zu verhindern. Der Fall Arctic Sea ist ein Meer voller Ungereimtheiten.


Ein Holzfrachter sticht in See

Am frühen Morgen des 22. Juli [extern] sticht die Arctic Sea vom finnischen Pietarsaari (Jakobstad) aus in See. Das Schiff fährt unter maltesischer Flagge und wurde von der finnischen Reederei Solchart, die sich in Besitz dreier russischer Geschäftsmänner befindet, gechartert. Den Papieren zufolge sollte die Arctic Sea eine Ladung finnischen Holzes ins algerische Bejaja transportieren.

Was die Arctic Sea wirklich geladen hatte, ist jedoch unklar. Vor der Ladungsaufnahme in Finnland war das Schiff für zwei Wochen zu einem Werftaufenthalt in der russischen Enklave Kaliningrad, in der auch ein bedeutender russischer Militärstützpunkt beheimatet ist. Zeugen [extern] berichten jedenfalls, dass die Arctic Sea vor ihrer Ankunft in Finnland bereits einen merklichen Tiefgang hatte, woraus man schließen könnte, dass das Schiff nicht unbeladen zur Holzaufnahme in Pietarsaari einlief.

Russischen Angaben zufolge soll das Schiff dann zwei Tage später vor der schwedischen Insel Gotland von acht bewaffneten Piraten geentert worden sein. Die Herren Freibeuter sollen aus dem fernen estnischen Pärnu mit einem Schlauchboot [extern] gestartet sein. 260 Seemeilen, mithin rund 26 Stunden, quer durch die Ostsee und das ohne seemännisches Vorwissen? Vor Gotland sollen diese Teufelskerle dann den Frachter geentert haben – so professionell und geschwind, dass weder Mannschaft, noch Kapitän ein Notrufsignal oder einen Hilferuf per Handy tätigen konnten. Stattdessen umrundete das Schiff in aller Seelenruhe Dänemark, fuhr in den Ärmelkanal, wo es sich auch noch mit zwei Schwesterschiffen traf, und nahm am 28. Juli Kurs auf die Biskaya.


Die Arctic Sea verschwindet

In den Tagen danach muss jedoch etwas Besonderes passiert sein, denn plötzlich verschwand die Arctic Sea von den Bildschirmen. Das bordinterne Positionssystem AIS wurde ausgeschaltet, auf Funksprüche reagierte man nicht, und anscheinend übermalte man sogar den Schiffsnamen. Entgegen anders lautender Meldungen [extern] wusste die NATO jedoch jederzeit sehr genau, wo sich die Arctic Sea befand. Offensichtlich ahnte man an Bord nicht, dass die nun von allen Stellen gestreute Piratengeschichte bereits zum Politikum geworden war. Präsident Medwedew erklärte die Affäre nun zur Chefsache und setzte sowohl den Inlandsgeheimdienst FSB, als auch den Militärgeheimdienst GRU auf die Arctic Sea an. Gleichzeitig machten sich zwei russische Atom-U-Boote und mindestens eine Fregatte und drei Landungsschiffe der Schwarzmeerflotte, die sich zu diesem Zeitpunkt kurz vor Gibraltar im Mittelmeer befanden und Kurs auf die Ostsee hatten, auf die Suche nach der Arctic Sea.

Am 12. August traf der russische Flottenverband angeblich in der Biskaya ein und startete eine zweitägige Suche. Während die drei Landungsschiffe am 14. August die Suche abgebrochen haben, nahm die Fregatte Ladniy an diesem Tag plötzlich Kurs auf die Kapverden. Am 18. August konnten die Russen den "fliehenden" Holzfrachter aufbringen – 300 Seemeilen nördlich der Kapverden. Der FSB sorgte sogleich dafür, dass die Mannschaft und die "Piraten" auf der kapverdischen Insel Sal in russische Obhut genommen und wenig später zur Befragung nach Russland geflogen wurden. Der Umstand, dass dafür gleich zwei riesige Frachtflugzeuge vom Typ Iljuschin Il-76 eingesetzt wurden, lässt vermuten, dass die Ladung ebenfalls gelöscht wurde – und die Ladung bestand wahrscheinlich nicht aus finnischem Holz.


Vorhang auf für die Piraten

Hölzern wirkte jedoch die Inszenierung der Piraten - acht stiernackige, großflächig tätowierte Kleinganoven russischer Herkunft wurden der Weltpresse vorgeführt. Muss man sich so moderne Ostseepiraten vorstellen? Nach [extern] Angaben der Verteidigung waren die acht Muskelmänner Umweltschützer, die zu einer Übungsfahrt ausliefen, um ein Navigationssystem zu testen, dann in Seenot gerieten und vom Kapitän der Arctic Sea widerrechtlich an Bord festgehalten wurden. Der Verkäufer des Navigationssystems wird sich nun einiges von den "Umweltschützern" anhören müssen.

Ein maltesisches Schiff einer finnischen Reederei, das in schwedischen Gewässern "entführt", und in französischen Gewässern "verschwunden" ist – eine EU-Angelegenheit, so sollte man meinen. Aber nicht die EU, sondern Russland setzte alle Mittel in Bewegung, um den Holzfrachter mit seiner – laut Papieren – leidlich wertvollen Ladung in seine Gewalt zu bringen. An den fünfzehn russischen Seemännern an Bord der Arctic Sea lag dieser seltene Fall von Mütterchen Russlands Fürsorge sicherlich nicht.


Russische Raketen hinter finnischem Holzfurnier für den Iran?

Israelische, russische und europäische [extern] Geheimdienstquellen sind sich in einem Punkt [extern] einig – an Bord der Arctic Sea waren Raketen, die vermutlich bei dem Werftaufenthalt in Kaliningrad an Bord des Schiffes gebracht und in den Zwischenböden verschweißt wurden. Diese Vermutung wird auch vom EU-Pirateriebeauftragten und ehemaligen estnischen Admiral Tarmo Kouts in einem [extern] Interview mit dem Time Magazine geteilt. Es gäbe keine andere plausible Erklärung für die ganze Geschichte – an Bord seien russische Raketen gewesen, die für ein Land in Nahost bestimmt waren.

Diese Meinung vertritt auch der deutsch-israelische Journalist Gil Yaron, der sich in einem [extern] Artikel auf "gut informierte israelische Quellen" beruft und brisante Details nennt. Iranische Interessenten sollen demnach über russische Waffenhändler Luftabwehrraketen vom Typ S-300 geordert haben, die in Kaliningrad an Bord der Arctic Sea verladen wurden. Dies geschah ohne Wissen des Kremls, der erst durch Informationen eines westlichen Geheimdienstes – gemeint ist hiermit offensichtlich der Mossad – von diesem Deal erfahren hat.

Eine Entführung hätte es demnach nie gegeben. Russland inszenierte lediglich die Entführung, um sein Gesicht zu wahren. Die tätowierten Knastbrüder waren demnach ebenfalls Staffage. Ob sie überhaupt je an Bord der Arctic Sea waren? Vielleicht hat man sie auch erst vor der portugiesischen Küste an Bord gebracht – dies würde die schmunzelnde Äußerung eines hohen EU-Beamten erklären, der sagte, dass Schiff sei vor der Küste Portugals zum zweiten Mal "entführt" worden. Offiziell dementiert Russland jeglichen Zusammenhang mit einem Waffenschmuggel natürlich aufs Schärfste.


Iran und die israelische Bedrohung

Es ist seit längerem bekannt, dass Iran liebend gerne in den Besitz des modernen S-300 Luftabwehrsystems kommen würde. Eine offizielle Anfrage in Moskau konnte in letzter Minute durch die Israelis torpediert werden. Russland lieferte keine S-300 nach Iran, dafür verzichtete Israel auf den Verkauf moderner Waffensysteme an Georgien. So groß das Interesse Irans ist, die S-300 in seinen Besitz zu bekommen, so groß ist das Interesse Israels, eben dies zu verhindern. Das S-300 Luftabwehrsystem wäre eine ernsthafte Bedrohung für israelische Kampfbomber auf ihrem Weg zu iranischen Atomanlagen. Wie gefährlich diese Bedrohung für Israel ist, zeigt nicht zuletzt der streng geheime [extern] Überraschungsbesuch Benjamin Netanjahus letzte Woche in Moskau. Noch nicht einmal seine engsten Mitarbeiter wussten, dass der israelische Premier im Privatflugzeug eines Freundes nach Moskau flog, um sich auf höchster Ebene mit der russischen Führung zu beraten. Es ist anzunehmen, dass dabei auch die Affäre um die Arctic Sea eine Rolle spielte.


Silowiki im Visier

In Russland gibt es nicht nur die Mafia, die Interessen an hochprofitablen Waffengeschäften hat. In den obersten Reihen des Militärs und der Sicherheitsdienste gibt es einige "Silowiki", die eine gefährliche Eigendynamik entwickelt haben. In den letzen Jahren gab es aus diesen Kreisen vermehrt proiranische und antiisraelische Stimmen.

Es wäre durchaus denkbar, dass diese "Silowiki" auch bei dem vermeintlichen Waffenschmuggel auf der Arctic Sea ihre Finger im Spiel hatten. Dem eher liberalen Präsidenten Medwedew, der sich in seinem Ringen nach einer Öffnung gegenüber dem Westen neuerdings sogar [extern] offen für Sanktionen gegenüber Iran zeigt, ist dies freilich ein Dorn im Auge.

Hohe Stellen in Moskau möchten daher auch gerne ein Mäntelchen des Schweigens über die Affäre Arctic Sea hängen. Für investigative Journalisten ist Russland bekanntermaßen ein gefährliches Pflaster – vor allem, wenn man einflussreichen Schattenmännern in den obersten Militär- und Sicherheitsapparaten auf die Füße tritt. Einem Reporter der Komsomolskaja Prawda, der in Archangelsk, dem Heimatort der Arctic Sea-Besatzung, zu fleißig recherchierte, legte man nahe, dass er doch besser verschwinden solle – schließlich gäbe es viele Kriminalfälle in der Stadt.

Noch massiver war der Druck, dem sich der Journalist und Seefahrtsexperte Michail Woltenko ausgesetzt sah. Nach massiven Drohanrufen verließ er fluchtartig das Land. Zunächst versteckte er sich in Istanbul, nun ist er in Thailand untergetaucht. Die Wahrheit über die Arctic Sea ist zumindest nicht mehr an Bord – nachdem russische Geheimdienstler und "Kriminologen" das Schiff mehrere Wochen lang "inspiziert" haben, wird es nun auf den Kanaren an die Malteser [extern] übergeben, unter deren Flagge die Arctic Sea registriert ist.

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Strandhaie auf Rügen

Achten Sie am Strand auf Ihre Füße! Sonst treten Sie vielleicht auf einen Hai. Denn seltene Geschöpfe tummeln sich auf Rügens Strandböden. Unbekannte Künstler hinterlassen sie im Sand:

Sandkunst am Strand

Sandskulpturen haben ihren Reiz, denn wer hat früher nicht gern Sandburgen am Strand gebaut? Gerade Kinder können beim Sandspiel ihre Kreativität ausprobieren: Hier füllt ein ganzes Meer die Burggräben und überall liegen schmückende Muscheln

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Interessante Idee: Hotels für Bücherfreunde

Hotels für Bücherfreunde

Welcher Bücherwurm träumt nicht davon einmal in mitten von Büchern zu nächtigen. Dieser Traum lässt sich heute ganz einfach in einem sogenannten Bücherhotel verwirklichen. Diese haben sich darauf spezialisiert, dem Bücherfreunde ein perfektes Umfeld zu bieten. Die Bewertung der Hotels erfolgt ganz nach dem Motto Lesen mit kleinen Büchersymbolen.  So darf der Gast in einem Fünf-Buch-Bibliotel eine Buchauswahl von mindestens 1500 Büchern erwarten.

Zum Service der Häuser gehört es, dass der Gast sich bereits im Vorfeld ein Buch seiner Wahl auf das Zimmer bestellen kann, welches bei der Ankunft für bereit liegt. Zudem ist der ganze Service des Hotels auf die Bedürfnisse einer wahre Leserate abgestimmt. So sind die Essenszeiten flexibel und auch das Lesen bei Tisch ist gestattet. Außerdem warten gemütliche Leseplätze im ganzen Haus auf den Gast.
Die Idee stammt von dem Salzburger Unternehmer Sebastian Mettler, der selbst leidenschaftlich gern liest. Mittlerweile gibt es in Österreich 50 dieser Bibliotels, die sich teilweise sogar auf bestimmte Genre spezialisiert haben.

Doch warum in die Ferne schweifen, auch in Deutschland kann man in einem Bücherhotel nächtigen und natürlich lesen. Das erste Bücherhotel Deutschlands liegt auf dem Gutshof in Groß Breesen in Mecklenburg-Vorpommern im Dreiländereck zwischen Hamburg, Rostock und Berlin. Hier wird man von über 100.000 Büchern erwartet, die in verschiedenen Gebäuden untergebracht sind. Zum einen befinden sich natürlich in den Zimmern selbst Bücher, zum anderen gibt es ein Bücherhaus mit Bücherstube, außerdem ein Gutshaus mit Bibliothek und ein Denkhaus mit Privatbibliothek. Die Bestände des Hotels sind aber weder sortiert noch archiviert, so dass man sich auf gut Glück durch die Bücherberge wühlen muss. Der Gast kann gern eigene Bücher mit bringen und diese mitgebrachten Bücher dann tauschen: für zwei eigene gibt es im Tausch ein Buch aus dem Bestand des Hotels zur Mitnahme.

Eine schöne Idee :idea: finde ich. Der Vorteil, wenn man als bekennende Leserate in einem solchen Hotel absteigt, ist mit Sicherheit, dass man eine Menge an Gepäck spart, denn die eigene Literatur für den Urlaub kann man sich ja getrost vor Ort suchen. Und dass dieses Konzept durchaus funktioniert, zeigt das erste Bücherhotel Österreichs in Bad Kleinkirchheim, welches seit zehn Jahren existiert.

Quelle:
Bibliotels: “Bücherhotels” erobern neue Gäste via ORF.at

Warum ist auf Rügen noch kein Hotelier auf diese Idee gekommen?

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Die Rügen-Festspiele in Ralswiek

Die noch von Hand geschriebenen Notenblätter sind vergilbt und werden mit Klebebändern notdürftig zusammengehalten. Günther Wolf hat die Partitur wieder aufgelegt. An seinem Flügel spielt der 84-jährige Musiker nach langer Zeit noch einmal das Vorspiel für die Störtebeker-Ballade.

Die Klänge wecken Erinnerungen. Vor genau 50 Jahren stand Wolf als Chorleiter in Ralswiek auf Rügen auf der Bühne. Die Uraufführung der großen Störtebeker-Ballade von Kurt Bartel (Pseudonym Kuba) am 16. August 1959 gehöre bis heute zu den künstlerischen Höhepunkten seiner Karriere, sagt der langjährige Leiter der Singakademie Stralsund. «Damals hatte ich sage und schreibe 20 Theater-, Volks- und Schulchöre mit über 500 Sängern zu leiten», erinnert sich Wolf.

Ein Jahr zuvor hatten Partei und Regierung beschlossen, mit einer großen Open-Air-Aufführung ein neues Kapitel der Massenkultur im Norden der DDR aufzuschlagen. Rund um die Figur des Volkshelden und Likedeelers Klaus Störtebeker sollte an der Küste ein Theaterereignis der Mega-Klasse von einer neuen sozialistischen Volkskultur künden. Als Austragungsort machte das kleine Rügendorf Ralswiek gegen die Mitbewerber Altefähr und Greifswald-Eldena das Rennen.

Während 14 Jahre nach Kriegsende eine Flut von Bautrupps in die Inselprovinz rückte, machten sich in Rostock die namhaftesten Künstler des Bezirkes an die Arbeit. Kubas druckfrische Balladentexte seien im Frühjahr 1959 sofort in eine Warnemünder Garage gebracht worden, erinnert sich Wolf. Dort hatte Komponist Günther Kochan ein Klavier aufgestellt. Binnen zwei Monaten komponierte der frühere Meisterschüler von Hanns Eisler fast eine Stunde Musik für ein Orchesterwerk, 18 Chor-, Massen- und Lyriklieder sowie 7 Tanzszenen, die Choreograph Jean Weidt zeitgleich entwickelte.

Unterdessen wandelte sich das besinnliche Ralswiek zum Festivalort. Die Dorfstraße wurde zur asphaltierten Allee, an der Vorgärten angelegt wurden. Eine neue Bahnstation mit dem Namen «Störtbeker» entstand, im Dorf wurden Versorgungsbuden errichtet und ein Zeltlager für Laiendarsteller aufgeschlagen. Die abschüssige Schlosswiese wurde zum Zuschauerrang mit Holzbänken und Stehplätzen für 4000 Gäste. Am Boddenufer entstand eine mehr als 100 Meter breite Bühne mit den Kulissen von sechs deutschen und schwedischen Küstenorten.

«Die Proben waren eine logistische Herausforderung», erinnert sich Herbert Knüppel, der damals als Neunjähriger in dem Stück die Rolle eines Ralswieker Fischerjungen verkörperte und heute Bürgermeister von Ralswiek ist. Zum Transport der fast 2000 Mitwirkenden seien Tag für Tag 28 Busse gerollt. Für Regisseur Hanns Anselm Perten, Intendant des Rostocker Volkstheaters, und seinen Assistenten-Stab sei es bei den Proben eine riesige Herausforderung gewesen, so viele Darsteller für ein kompaktes Theaterstück zu koordinieren.

Die Presse feierte die Aufführung seinerzeit als «größte Park- und Seefestspiele Europas». Die Rügenfestspiele sollten als regelmäßig stattfindendes großes Kulturereignis während der Sommersaison etabliert werden. Noch zwei Sommer lang schwang Schauspieler Lothar Krompholz auf Rügen als Klaus Störtebeker das Schwert. Nach genau 100 Vorstellungen wurde das offenbar viel zu kostspielige Projekt 1961 kurz nach dem Berliner Mauerbau abgesetzt. Nur 1980 und 1981 hob sich in Ralswiek noch einmal zu den Arbeiterfestspielen der Vorhang für das Piratendrama. Insgesamt sollen 670 000 Zuschauer die abendlichen Open-Air-Vorstellungen in diesen fünf Sommern erlebt haben.

Ein schöner ddp-Bericht. Auch mein Kommissar Bratfisch in "Aktion Störtebeker" hat damals auf der Bühne in Ralswiek gestanden. Mehr dazu im Buch.

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